Im November 2011 fing alles mit einer tauben linken Gesichtshälfte an. Zuerst dachten mein Hausarzt und ich, dass ich mir im Nackenbereich einen Nerv eingeklemmt hatte. Zu der Taubheit gesellte sich dann auch noch eine Lähmung der linken Gesichtshälfte und nach und nach wurde mein linker Zeigefinger auch taub.

Hallöchen, ich bin die Ann-Kathrin, kurz Anky. 2011 habe ich mit 23 Jahren die Diagnose MS bekommen. Auch wenn die Diagnose einiges verändert hat, meinen Humor und meine offene Art habe ich nie verloren. Den Weg zu meiner Diagnose habe ich euch im Folgenden mal aufgeschrieben.

Anky findet ihr auf Instagram unter anky_and_ms

Nach der tauben linken Gesichtshälfte folgten die Arztbesuche


Da es mittlerweile kurz vor Weihnachten war, bin ich doch nochmals zum Hausarzt. Dieser hat mich dann sofort an einen Neurologen verwiesen, wo ich zum Glück 2 Tage später gleich einen Termin bekommen habe. Nach einer Stunde Untersuchungen mit Strommessungen etc., hat mich der Neurologe dann sofort ins MRT geschickt. Da war ich dann echt schon genervt, weil eigentlich wollte ich an dem Tag noch arbeiten gehen und nicht von Arzt zu Arzt rennen.
Beim Radiologen angekommen, ging es gleich zum Schädel MRT in die Röhre. 1 Stunde später drückte mir eine unfreundliche Arzthelferin einen Umschlag mit
Bildern in die Hand und meinte: „Gehen Sie direkt zu Ihrem Hausarzt, der wartet auf Sie.“ Aha, wenn der Hausarzt mittwochmittags um 13Uhr auf einen wartet, ist das eigentlich kein gutes Zeichen.

Mein Mann (damals noch mein Freund) hat mich dann zum Arzt gefahren. Im Auto musste ich mir natürlich die Bilder anschauen, auch wenn ich natürlich nicht viel erkannt habe (war ja mein erstes Schädel MRT). Was mir aber aufgefallen ist, war ein recht großer, leuchtender Kreis, in der sonst grauen Hirnmasse.

“Papa, ich habe einen Hirntumor”


Da mein Mann zu einem Bewerbungsgespräch musste, hat er mich beim Arzt nur abgesetzt und ist weiter gefahren (wer wusste denn da auch, dass es noch turbulent zugehen würde).
Ich bin also rein zum Arzt und er sah mich erst mal komplett geschockt an. Er hatte den Bericht von der Radiologie schon per Fax bekommen. Hirntumor. Das stand im Bericht. Ich war komplett geschockt und wusste erst mal nicht, was ich sagen sollte. Der Arzt meinte, es sei besser, wenn bei der Besprechung jemand dabei sei. Diesen Anruf bei einem Papa werde ich nie vergessen: „Hallo Papa, kannst du zum Arzt
kommen, ich habe einen Hirntumor“

Sogar der Arbeit habe ich noch bescheid gegeben

Während ich auf meinen Papa gewartet habe, hab ich als pflichtbewusste Arbeitnehmerin noch im Geschäft angerufen und mich auf unbestimmte Zeit krankgemeldet, denn ich wusste ja nicht wann, man wieder arbeiten gehen kann mit einem Hirntumor.
Von dem Gespräch mit meinem Arzt und meinem Papa weiß ich nicht mehr viel. Wir sollen Heim fahren und Sachen einpacken, er gibt mir eine Einweisung ins Krankenhaus mit, die werden weitere Untersuchungen machen und mich dann weiter in eine Klinik überweisen. Gesagt getan. Auf dem Heimweg haben wir dann noch meine Mama eingesammelt und ich habe meinen Mann angerufen. Dass er vor lauter Schluchzen meinerseits am Handy was verstanden hat, ist mir immer noch unbegreiflich.

Die Erlösung


Die nächsten 4 Stunden im Krankenhaus waren einfach nur Horror. Ich lag in der Notaufnahme auf einer Liege und wartete. Nicht mal was Essen durfte ich, man wusste ja nicht wie es weiter geht. Dafür habe ich eine Infusion gegen den Hunger bekommen. Hat super geholfen…. Natürlich nicht. Untersuchungen wurden keine gemacht, weil kein Neurologe vor Ort war Nach 4 Stunden sind die Ärzte dann auch zu dem Entschluss gekommen, dass sie gar keine Kapazität für mich haben. Na toll. Also ging es in die nächste Klinik, die zum Glück eine neurologische Klinik mit sehr gutem Ruf ist. Dort angekommen kam eine junge Ärztin auf mich zu, nahm mich in den Arm und meinte: „ Frau Maier, wir wissen noch nicht genau was Sie haben, aber sie haben
keinen Hirntumor.“

1000 Steine, die mir vom Herzen gefallen sind
Tauben linken Gesichtshälfte


Da sind mir gefühlt 1000 Steine vom Herzen geplumpst. Was nun folgte, war ein erneutes MRT und die Lumbalpunktion (dazu wird Rückenmarksflüssigkeit zwischen den Wirbeln entnommen. Ähnlich wie eine PDA, nur wird eben nichts eingespritzt sondern rausgeholt) und dann hab ich gleich meine
erste Ladung Kortison bekommen. Ich glaube die Ärzte haben einen Verdacht geäußert, aber ich war nach diesem Tag so fertig, dass ich mich daran nicht mehr
wirklich erinnern kann.

“Sie haben MS”

Der geschilderte Tag war der 22.12.2011. Am 23.12. wurden eine ganze Reihe Untersuchung gemacht. Diverse Strommessungen, Blutentnahme und ein MRT von der Hals- und Brustwirbelsäule. Zudem gab es wieder eine Kortison Infusion. Da bekannter Weise vom 24.12-26.12 in Krankenhäusern nicht viel passiert, hatte ich während meiner täglichen Kortison Infusion viel Zeit zum Nachdenken. Zum Glück kommen an Weihnachten immer viele Filme im TV, ich hatte viel Besuch und zudem den Luxus eines Einzelzimmers.

Am 27.12 kamen dann bei der Visite 3 Ärzte zu mir und verkündeten „Unsere Verdachtsdiagnose hat sich bestätigt, sie haben MS. Auf den Bildern sieht man einen großen aktiven Entzündungsherd mit einem Durchmesser von 4cm. Sie haben aber auch schon kleinere Vernarbungen, also sieht es ganz so aus, als hätten Sie schon Schübe gehabt und damit den Schubförmigen MS Verlauf (RRMS).”


Da war sie nun also: die Diagnose MS, die mich nun ein Leben lang begleiten wird. Es begann mit einer tauben linken Gesichtshälfte, aber ich muss sagen: ich war damals, und bin es heute immer noch, froh dass ich „nur“ MS habe und keinen Hirntumor.

Weitere Erfahrungsberichte?

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