Jules Sicht

Gegensätze ziehen sich an? – oder auch: wir leben auf einer Belastungsgrenze

Panther desolately iguanodon alas in goodness goodness re-laid when wishful but yet and trim hey went the tamarin some during obsessively.
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Manchmal sind Sven und ich uns viel zu gleich und die Leute rollen schon mit den Augen, weil sie nicht verstehen können, wie man so viele “Insider” haben oder nach fast 6 Jahren noch so verliebt wirken kann. Für uns war das irgendwie schon vom ersten, naja sagen wir vom zweiten Tag an, voll normal. Auch wenn man sagt, das Gegensätze sich anziehen, ist bei uns eher der Gegenteil der Fall. Die vielen Gemeinsamkeiten ziehen uns an, wir mögen es, extrem viel Zeit zusammen zu verbringen und brauchen auch nicht viel Freiraum.

Internet? Disko? Rolltreppe!

Wo lernt man sich heutzutage eigentlich kennen?
Ich persönlich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn mir erzählt wird, dass sich ein Pärchen über das Internet kennengelernt hat. So hab ich mich doch ständig darüber lustig gemacht, dass das gar nicht funktionieren kann, doch mittlerweile kenne ich wirklich einige, die sich so kennen und lieben gelernt haben. Cool!

Sven kam gerade frisch aus einer 5jährigen Beziehung und ich war überhaupt kein Beziehungsmensch. Jetzt mal ganz ehrlich. Ich war mir sicher, dass ich nie eine Beziehung eingehen werde. Es war halt so gar nicht mein Ding. Oh man, abends nicht selbst entscheiden ob ich jetzt in Jogginghose rumliege und Pizza bestelle oder einfach feiern gehe? Ne, ich mochte meine Freiheit in dem Punkt schon sehr gern.

Naja und ich fand es schon echt cool selbst zu entscheiden, ob ich am Wochenende duschen gehe oder nicht. Oder Beine rasieren. Oh man, mir kann niemand erzählen, dass das jemand gerne macht, ich bitte euch? Das ist ein unausgesprochener Vertrag in einer Beziehung, dass man sich jetzt plötzlich für den Partner die Beine rasiert und passende Unterwäsche trägt. (Alle männlichen Leser werden jetzt mal wieder sagen – das mit der Unterwäsche ist mir ehrlichgesagt wurscht, musste ich dann nach 2 Jahren Beziehung auch rausfinden)

Ok, ich scheife ab.

Ich wechselte also mal wieder die Filiale in der ich arbeitete und dann stand da plötzlich so ein Bauleiter vor mir, der es irgendwie schaffte, mir komplett den Kopf zu verdrehen. Wir beide erinnern uns an die Situation, in der man den anderen zuerst bewusst wahrgenommen hat. Ich arbeitete im ersten Obergeschoss und Sven stand mit mehreren Kollegen an der Rolltreppe, sie besprachen gerade, wie der nächste Bauabschnitt aussehen sollte.

In dem Moment ging ich vorbei und sagte zu Sven: “Soll ich dir unten ein paar Kollegen vorbeischicken? Dann könnt ihr ihnen auf den Kopf spucken” (ich hab nicht das Wort spucken benutzt – der Phantasie ich in diesem Punkt keine Grenzen gesetzt)

Sven sagt noch heute, dass er da sofort begriff, dass er mich kennenlernen muss. Tja, jeder hat so seine Kennenlerngeschichte.

Nicht vorhandene Gegensätze

Wenn man eines über uns sagen kann, dann dass wir uns unglaublich ähnlich sind. Wir haben die gleichen Hobbies, wir haben sehr viele gleiche Ansichten und sind auch vom Typ Mensch unglaublich ähnlich. Wir beide brauchen nicht viele Freunde um glücklich zu sein, lieber haben wir einen sehr guten Freund und wissen bei demjenigen, dass wir uns immer auf ihn/sie verlassen können.

Ich wurde mal gefragt, ob ich für eine Woche nach Ägypten kommen möchte, um dort bei einer Freundin zu schlafen. Sie wohnt dort. Ja, verlockendes Angebot. Nur den Flug bezahlen, Tauchausflüge täglich wären nicht teuer gewesen. Ich habe es nie gemacht. Wir konnten uns nicht trennen. Wir hocken gern aufeinander. Es ist da schon manchmal eigenartig, wenn ich von anderen höre oder lese, wie wichtig verschiedene Hobbies sind, ein verschiedener Freundeskreis und Freiraum. Das so Beziehungen funktionieren. Wir sind seit fast 6 Jahren ein Paar, sind seit nun fast 2 Jahren verheiratet und sind komplett anders, als alle Ratgeber das einem so erzählen.

Der schwierige Umgang mit bestimmten Situationen

Mal Butter bei ‘de Fische: Auf die MS/ Fatigue bezogen hat das manchmal auch so seine Nachteile. Ich erwarte manchmal unglaublich viel, da Sven ja theoretisch ständig bei mir ist und “mitbekommen muss” wie/ warum es mir schlecht geht. Ich denke oft, dass er verstehen muss, warum ich in manchen Situation reagiere, warum ich so reagiere. Genauso erwarte ich, dass er versteht, wenn ich einfach in Ruhe gelassen werden möchte und mich alles nervt. Oder er spüren soll, wenn ich besonders viel Aufmerksamkeit benötige.

An dem Punkt kommen wir ab und an, in letzter Zeit immer häufiger, dazu, dass bei einem von uns die Zündschnur sehr kurz ist.

Ich beispielsweise weiß nie was in Svens Kopf los ist.

Er ist kein Mensch, der gern über Gefühle spricht, ich bin ehrlich, diese Website wird das erste Mal sein, dass ich ein paar Gefühle von Sven hören werde, die er in Bezug auf die MS verspürt hat.

Dabei sind wir uns so ähnlich, uns so einig, doch je weiter die MS voranschreitet, umso mehr Gegensätze zeigen sich im Umgang mit schwierigen Situationen.

Mein Ehrenmann

Ich möchte euch an diesem Punkt von einem sehr aktuellen Thema erzählen. Denn einen Gegensatz gibt es zwischen mit und Sven dann doch: Sven liebt es, sich immer und überall mit allen möglichen Leuten zu unterhalten. Ich bin da vollkommen anders. Fremde Leute sind mir mal überhaupt nichts und Menschen, die ich erst ein paar Mal gesehen erst recht nicht: denn die sind ja noch unberechenbarer. (Wer weiß denn was die hinter meinem Rücken schon alles über mich erzählt haben?)

So quatscht mein geliebter Ehemann also in letzter Zeit ganz gern mal mit dem Nachbarn, ich bin hier eh raus, er macht das immer beim Rauchen. Doch dann kommt da dieser eine Moment, bevor das ausartet mache ich es kurz: es kommt zum Streit. Ich fühle mich unwohl da ich ständig Aussetzer in der Sprache habe, er vermisst es mit mir ab und an auch mal mit anderen Menschen etwas zu machen. Es kommt von einem zum anderen, plötzlich ploppen immer mehr Dinge auf, alte Kamellen werden ausgegraben, Tränen fließen, ich will am liebsten die Reise abbrechen.

Aber gut, das Ganze soll ja auch kein Depri-Blog werden, danke an Max (an dieser Stelle einen Insider eingebaut) für den netten Hinweis.

Wir leben in unserer Beziehung halt immer direkt an der Belastungsgrenze, wenn nicht sogar fast schon auf ihr drauf.

Sven hat sich dafür entschieden den Weg mit mir zu gehen, da waren wir erst wenige Monate ein paar. Ich würde ihn Ehrenmann nennen, viele wären an diesem Punkt stiften gegangen. (den Begriff Ehrenmann benutzt er gern, deshalb möchte ich ihn heute gern mal so betiteln) Aber ist es sicher auch nicht einfach mit mir. So mache wir ständig Witze darüber, sich vor lachen fast in die Hose zu machen, so war ich stink sauer auf ihn als ich mir beim einkaufen fast in die Hose machte und er anfing zu lachen. Er wusste jedoch nicht, dass ich gar keinen Spaß mache. Woher auch?

Ist er doch immer und zu jeder Tages- und Nachtzeit für mich da, werde ich gern mega wütend, wenn er sagt “dass er in einer Stunde wieder da ist” und dann doch drei Stunden braucht. Jetzt mal ernsthaft: Ich bin krank, kann die Wohnung nicht verlassen! Der Herr hat an diesem Punkt doch bitte nach Hause zu fliegen und mit mir zu leiden.

Ich hab oft ein schlechtes Gewissen, da er mehr macht, als wahrscheinlich viele andere Partner. Wir teilen so viel. Er gibt mir so viel. Er ist ein so toller Mensch. Und dann bin ich manchmal so eine Hexe… nein natürlich nicht. ich bin immer eine Prinzessin.

Ein Lernprozess

Was ich jedoch ganz klar sagen kann: all diese Momente, Streitsituationen, eigenen Schuldgefühle und und und haben mich zu einem unglaublich selbstreflektierten Menschen gemacht. Denn hinter all den Deprisituationen steckt unserer Meinung nach so unglaublich viel mehr. Hier zum Beispiel die Möglichkeit, an sich selbst zu wachsen. Sven hat selbst noch die Möglichkeit (und ich weiß an der Stelle, dass er bereits an einem Artikel hierzu arbeitet) sich dazu zu äußern. Aber ich für meine Wenigkeit kann sagen, dass ich nicht mehr so in mich gekehrt bin und klar für mich formulieren kann, was mich in bestimmten Situationen stört, was ich brauche, was ich will oder was mich nervt. Aber da wir gerade bei Deprithemen waren: Natürlich kann ich auch klar äußern, was ich unglaublich toll finde.

Selbstverständlich wird jetzt der ein oder andere um die Ecke kommen und sagen: Hey, dass kann ich auch so. Jedoch weiß ich für mich, dass ich in so vielen Punkten extrem gewachsen bin und darauf sehr stolz bin. Stolz, dass diese Gegensätze uns trotz allem nicht kaputt machen, wir immer wieder zueinander finden und dann wieder vollkommen aufeinander hängen können.

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