Das war meine naive Frage, als die Assistenzärztin mir offenbarte, dass ich Multiple Sklerose habe. Ich hatte keine Ahnung, was Multiple Sklerose ist. Klar, den Begriff hatte ich schon einmal gehört. Das war es dann auch schon. Bis auf die Beschwerden in den letzten drei Monaten, war ich doch fast immer gesund.

Die ersten Symptome

Wie ich später erfuhr, waren die enormen Kopfschmerzen zehn Jahre zuvor bereits die ersten Symptome. Im August/September 2006 fingen sie an und begleiteten mich zwei Monate lang. Danach verschwanden sie von einen auf den anderen Tag – so wie sie mir auch erschienen waren. Da handelsübliche Kopfschmerztabletten nichts halfen, ging ich fast wöchentlich zum Arzt. Mein Schädel wurde geröntgt. Ich bekam eine Überweisung zum CT und zum Psychiater; alles ohne Befund. Nachdem die Schmerzen weg waren, verfolgte ich die Sache nicht weiter. Wozu auch?

Im Februar 2016 hatte ich plötzlich Missempfindungen am Bauch beim Duschen. Auf der linken Seite fühlte es sich an, als würde ein kalter Wasserstrahl auftreffen, obwohl es wohlig warmes Wasser war. Es kam mir komisch vor. Aber ich machte mir nicht so viele Gedanken. Wird schon wieder weg gehen, dachte ich mir. Und das tat es dann auch.

Das teuerste Hotel der Stadt

Kurze Zeit später wachte ich nachts schreiend vor unerträglichen Schmerzen an der Wirbelsäule auf. Nach drei solchen Nächten ging ich zum Arzt und orderte eine Spritze gegen die Schmerzen. Was soll ich sagen? Die Schmerzen waren weg und blieben weg.

Ende April bemerkte ich an einem Fernsehabend, dass meine Augen schlechter geworden sind. Ich wunderte mich zwar, aber ja, ich hatte nicht umsonst eine Brille. Am nächsten Tag konnte ich den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand nicht mehr bewegen. Es beunruhigte mich, aber ich hatte keine Lust, zum Arzt zu gehen.  Auf Drängen meines damaligen Freundes, fuhren wir an einem Samstag Nachmittag zur Notaufnahme. Die Ärztin erklärte mir, dass bei Lähmungserscheinungen das ZNS involviert sei. So erhielt ich eine Einweisung ins teuerste “Hotel” der nächstgrößeren Stadt.

Ist es ein Schlaganfall?

Mit Verdacht auf Schlaganfall wies man mir ein Bett in einem Beobachtungszimmer zu. Darin lag eine alte Dame, sie war nicht ansprechbar. Sie tat mir leid. Es konnte unmöglich sein, dass ich mit 28 Jahren so krank, war wie diese alte Dame. Ich weigerte mich, mich “krankenhausfein” umzuziehen. Stattdessen setzte ich mich störrisch auf das Bett: “Was bitte sollte das denn? Rumsitzen kann ich auch zu Hause!” Eine gefühlte halbe Stunde später kam eine Ärztin zu mir und meinte: “Sie wollen wohl nicht hier bleiben?” Nö, wollte ich nicht. ” Also, wenn sich jetzt am Wochenende hier nichts tut, kann ich auch wieder nach Hause.” Daraufhin durfte ich ein anderes Zimmer beziehen.

Es war der 1. Mai 2006. Am Tag zuvor (jahaa an einem Sonntag! -ich kleiner Terrorzwerg hab da richtig Ballett gemacht, dass es vorwärtsging) war die Lumbalpunktion. Dabei wird Nervenwasser aus dem Wirbelkanal in Höhe der Lenden entnommen. Wahrscheinlich wäre es mir besser gegangen, wenn die Ärztin gleich beim ersten Mal getroffen hätte. Es wurde untersucht und so erhielt ich tagsdarauf, also am 1. Mai 2016 die Nachricht auf Verdacht von Multipler Sklerose. Zwei Tage später bestätige eine  MRT-Untersuchung den Verdacht.

Ich bin Nicole, 44 Jahre und wohne in Templin. Ich fahre lieber Fahrrad als auf der Couch zu sitzen. Wenn dies doch einmal der Fall ist, arbeite ich an meinem Buch “Gesund mit MS”.

Nicole findet ihr auf ihrem Instagramaccount puencktchenimkopf

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