Ahoi,

Ich bin Kathrin und ich habe Multiple Sklerose.
Mein Leben in drei Worten beschrieben:

Hart aber herzlich!  Wo fängt man am besten an über sich und sein Leben zu erzählen?

Keiner kam auf die Idee, das MS auch Jugendliche betrifft

Ich bin schon immer ein lebensfrohes, freundliches, offenes, herzliches, kommunikatives und willensstarkes Menschlein gewesen.

Kathi Musikalisch sein ist alles, was mir geblieben ist


Trotz dieses schönen Eigenschaften bin ich aber auch sehr sensibel, zickig, oftmals launisch und gerade den Menschen, die es gut mit mir meinen, oft ungerecht gegenüber. Meine MS-Symptome zeigten sich schon sehr früh in Kindheitstagen, meine Kindheit- und Jugendzeit war im großen und ganzen schön und dennoch oft von Lästereien und Ausgrenzung geprägt. Das geschah aber durch Unwissenheit der anderen. Ende der 80ger hatte ich eine Sehnervenentzündung mit rechtsseitiger Gesichtslähmung. Mein Sehfeld war extrem eingeschränkt! Mitte und Ende der 90ger hatte ich einige Gehirnhautentzündungen mit Sehnervenentzündung, neurologischen Ausfällen. Ich bin gestolpert; kraftlos, müde, kognitiv eingeschränkt war ich teilweise seit Ende der 80ger. In dieser Zeit kam keiner auf die Idee, das MS auch Kinder oder Jugendliche betrifft. Vieles wurde abgetan. Meinen Eltern wurde gesagt, ich wäre halt empfindlicher als andere und oft kam die Aussage, es wäre psychisch. In den 2000ern habe ich einiges verdrängt. Ich habe geheiratet, habe drei Kinder bekommen und hab mich scheiden lassen. Meine Ehe war seelisch ein Graus für mich und zum Ende meiner dritten Schwangerschaft hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Meine Jüngste ist 2005 geboren, ich habe gekämpft, meine drei Kinder versorgt, gearbeitet, gelernt, alles organisiert, kaum geschlafen…

Glaubt an euch!

Ein Schub und plötzlich EDSS 8

2007 kam dann der körperliche Zusammenbruch und der erste, richtig schlimme Schub in meiner MS Laufbahn. Diagnose, Wochen lang Krankenhaus, Wochen lang Reha folgten. Lesen, Sprechen, Laufen waren das kleinere Übel, was ich wieder lernen musste! Ich habe 4 Instrumente gespielt, konnte Noten lesen, war musikalisch! Musikalisch ist alles was mir von meinem Hobby geblieben ist. Meine Kinder die ersten Monate nicht alleine versorgen zu können war das Schlimmste für mich. Hilfe annehmen, akzeptieren können, sich selbst wieder annehmen zu können war hart. Ich habe es geschafft! Es hat rund zwei Jahre gedauert, aber ich habe es geschafft! Disziplin, Ausdauer, Geduld und ganz viele Tränen. Etliche Basistherapien, kleinere Schübe, viele Mutter Kind Kuren, Therapeutische Hilfe und einen Mann später kam der nächste Hammer Schub! EDSS 8! Sogar das Zähneputzen war eine Qual für mich. Mein Mann hat mich geduscht, mich nachts zur Toilette getragen, laufen ging nur ein paar Schritte! Diese Zeit war seelisch sehr grausam für mich!… Aber… Auch da habe ich mich wieder raus gekämpft! Einige kleine Schübe später, zwei Hunde, ein Haus, Therapien, Krankengymnastik, Wassergymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Eskalation, Leben, Glücklichsein später stehe ich heute, in diesem Moment bei EDSS 4-5.

Setzt euch realistische Ziele, gebt nicht auf und schaut immer auf das was noch geht, was ihr noch könnt! Das Glas ist immer halb voll!

Das Leben ist schön 

Eure Kathi

2 Comments

  1. Welch wunderbares Ende und eine Geschichte, die Mut macht. Lasst uns das Leben feiern!

    • solltekoenntemache Reply

      Absolut, so ein schwerer Weg und trotz allem hat Kathi einfach eins lebensbejahendes Einstellung zum Leben! Das finden auch wir absolut beeindruckend!

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