Haben wir vor einigen Monaten noch angefangen Texte für diese Website zu schreiben und betont, dass wir auf Reisen gehen, alles verkauft und auf eine Karte gesetzt haben, ist heute, 4 Monate später, alles anders, einige schwierige Entscheidungen mussten getroffen werden

Das Jahr 2020 werden wir wohl alle nie vergessen und wir gehören zu einer Generation, die ein Kapitel in den Geschichtsbüchern bekommen wird.

Es hat uns im ersten Moment getroffen wie ein Schlag

Auch wir wurden nicht von den Auswirkungen verschont. Klar, wir sagen immer und immer wieder, dass es Menschen gibt, die wirklich hart betroffen waren und es uns immer gut ging, doch unsere Pläne wurden einmal komplett durcheinander gewürfelt, man wusste zu keinem Zeitpunkt, was richtig und falsch ist.

Wir haben unsere Wohnung am 28.02.2020 an unseren Nachmieter übergeben, an diesem Morgen erschien die Falschmeldung, das Heinsberg unter Quarantäne stehen würde. Das hat sich irgendwie bei Jule eingebrannt. Denn eines müssen wir zugeben: Aufgrund des ganzen Stresses mit Elmo, mit der Wohnungsauflösung, haben wir null mitbekommen, was da in China und dem Rest der Welt los war.
Wir sind an diesem Tag zu Svens Familie nach Hanau gefahren. Der Plan war, dort noch etwas Zeit mit ihnen zu verbringen, uns zu verabschieden und das Jule noch zwei Arzttermine erledigen kann.

Gleich einen Tag später, am 29.02., gab es das erste Hamsterwochenende. Jule hat so etwas noch nie gesehen, es war erschreckend! Bereits um 11.30Uhr gab es kein Brot, keine Nudeln, keine Konserven, keinen Liter Öl mehr. Alle waren angespannt und ruppig. Wir haben das ganze noch als Panikmache abgetan, doch änderten unsere Meinung rund eine Woche später. Wir geben zu, wir rauchen beide ab und an. Anfang März haben wir kaum gegessen, haben morgens nur Kaffee getrunken und eine nach der anderen geraucht, dabei die Nachrichten und Pressekonferenzen geschaut. Wir fingen an umzuplanen, doch wussten genau, dass uns hier unser gesamter Traum um die Ohren fliegen kann.

Und so kam es schließlich auch. Nach verzweifelten Versuchen, schnell das Land zu verlassen, aber trotzdem nicht von unserer Route abzuweichen, mussten wir mit ansehen, wie die Grenzen zugingen und schließlich auch der Tourismus in Deutschland verboten wurde.

Es wäre gelogen, zu behaupten, dass keine Tränen geflossen sind

Hier flossen das erste Mal bei Jule die Tränen und das intensiv. Vorher war da Ratlosigkeit präsent, jetzt einfach nur noch Verzweiflung.
Wir konnten zu diesem Zeitpunkt nicht bei Familie oder Freunde unterkommen, hatten keine Wohnung mehr, jedoch Elmo. Doch niemand wollte uns aufgrund des Tourismusverbotes aufnehmen. Das Gefühl machte sich breit, den Fehler seines Lebens gemacht zu haben.

Unser Problem war sicherlich, dass wir viele Entscheidungen deshalb vorschnell getroffen haben. Wir sind eigentlich eher die Typen, die zwar viele Ideen haben, aber eine Entscheidung erst treffen, wenn wir sie gut durchdacht haben. (ob sie dann gut war, ist eine andere Sache)
Doch dies war, nachdem wir einfach unmöglich auf unsere Reise aufbrechen konnten, keine Wohnung, Sven kein Job mehr hatte, ganz anders. Wir kamen nicht zur Ruhe. Trafen Entscheidungen, sprachen Dinge aus, die wir schnell bereuten, als wir länger drüber nachdachten. So kam einfach nie Ruhe bei uns herein.

Es gibt Momente, in denen man nicht immer positiv bleiben kann und an solch einem Punkt war Jule Anfang Juni.
Eine Mischung aus immer wieder wechselndes Plänen, Unsicherheit und der Tatsache, dass das Wetter und auch Corona uns oft gezwungen hatte, uns auf unseren 5qm² aufzuhalten, hatte wirklich stark an Jules Gesundheit gekratzt. So gab es kaum noch einen Tag ohne Schmerzen, ohne quälende Müdigkeit, ohne die Tatsache, dass wirklich nichts mehr, nicht mal die einfachsten Dinge, wie kochen funktionierten.

Schwierige Entscheidungen für die Gesundheit

Jule ging es immer schlechter. Es war fast täglich der Fall, dass sie nur noch die Zeit bis es abends war regelrecht “abwartete”, es war kein Zustand mehr. Wir reflektierten viel und versuchten einen Grund zu finden, woran es lag, dass die Fatigue sie so im Griff hatte, doch es waren natürlich alles nur Vermutungen.

Also entschieden wir schlussendlich, unsere Reise, auch aufgrund der Coronasituation, auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Sven hatte sich innerhalb kürzester Zeit einen Job gesucht und Jule hat so die Chance, sich voll uns ganz auf die Gesundheit zu konzentrieren, einen Weg zu finden, den Alltag und später auch den Reisealltag gut zu meistern. Was anfangs nur eine Übergangslösung werden sollte, bis wir uns in der derzeitigen Situation mit der Pandemie sicherer fühlen, wurde nun also unser zu Hause: Willkommen zurück in Leipzig!

Was eine unglaublich schwierige Entscheidungen war, war jedoch die einzig Richtige und Wichtige.

“Nur weil der Moment schlecht ist, heißt es nicht, dass das Leben schlecht ist”

Unsere Zeit wird kommen. Egal wann, egal wie und egal wohin es uns im Endeffekt treibt.

Wir sind Menschen, die an Schicksal glauben

Wir sagen immer und immer wieder und haben auch schon oft festgestellt: Es gibt nichts, was nicht möglich ist, auch nicht aufgrund Jules gesundheitlichen Situation. Man muss nur einen Weg finden, wie man es machen kann, wie man es anpasst.

Es gab einen Tag, bzw. 24h im September, die alles veränderten. Unsere Wohnung, die wir eigentlich schon sicher hatten, sollte nun doch an jemand anderen gehen. Ein Kühlschrank, den wir uns liefern lassen wollte, wurde plötzlich nicht geliefert.

Es klingt albern, aber hier hinterfragten wir uns sehr extrem. War dies doch nicht der Weg, den wir gehen sollten? Ist dies nur ein weiterer Rückschlag, den wir hinnehmen mussten in diesem Jahr, oder soll es doch ganz anderes laufen?

Wir schliefen 2 Tage fast gar nicht, redeten ununterbrochen miteinander und waren wirklich überfordert mit der Situation. Es waren wieder schwierige Entscheidungen zu treffen.

Schlussendlich fragten wir uns: ist dies nun doch der Moment, in dem wir nochmals überlegen sollten, unseren Traum zu wagen? Doch wie wäre das überhaupt möglich? Jule braucht sehr feste Strukturen, ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlt und das sich möglichst selten ändert. Sie braucht die Möglichkeit, auch mal leiden zu können und sich zurückzuziehen. Es sind nie schwierige Entscheidungen, wenn es um die Gesundheit geht.

Schlussendlich stellten wir folgendes fest: Das Leben, dass wir derzeit führen, können wir an jedem Ort der Welt führen. Zu Hause sitzen, die Zeit gemeinsam verbringen und ab und an mal einen Ausflug machen, ist nicht nur in Leipzig möglich. Also trafen wir die wohl extremste Entscheidung in diesem Jahr. Wir verkauften Elmo und buchten uns ein Haus in Norwegen. Wer jetzt denkt, dies war zu schnell und wir hätten uns mit der Entscheidung leicht getan, irrt sich. Elmo war unsere kleine Diva, unser Baby, an dem wir ein Jahr bastelten, restaurierten und alles so machten, dass es einfach zu uns passt. Neben Geld steckte auch einfach unglaublich viel Arbeit und Liebe in diesem Projekt.

Jedoch waren wir auch realistisch. So, wie die gesundheitliche Situation von Jule ist, wäre eine Reise mit Elmo nicht möglich gewesen. Und wir entschieden uns dann, lieber jetzt den Schritt zu wagen, Elmo zu verkaufen, statt ihn in ein paar Jahren.

Norwegen und der Rest der Welt – oder auch: keine schwierige Entscheidungen

Wie soll unser Leben nun also aussehen? Wir planen derzeit jeweils für 3 Monate in ein Land zu reisen. Uns dort eine, maximal 2 verschiedene Unterkünfte zu nehmen. Für uns geht es in unseren Planungen schon lange nicht mehr ums Reisen, um tägliche Ausflüge. Uns geht es um das Leben. Und so, wie wir uns das vorstellen, können wir dies an verschiedenen Orten machen, trotzdem neue Leute und Kulturen kennenlernen und auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit bei der Gelegenheit bestaunen.

Wir starten mit unserem Traum in Norwegen, nach 3 Monaten ist unser nächsten Ziel Island. Wir wissen nicht, wo es uns danach hin verschlägt. Aber gerade das ist zu diesem Zeitpunkt das Schöne, denn alles ist möglich!

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