Warum wir viel öfter nach Lösungen suchen sollten, statt gleich zu sagen, dass etwas nicht funktioniert, möchte ich gern an einer Geschichte verdeutlichen. Denn ich bin nicht mein Nachbar, ich bin nicht du, ich bin nicht Sven. Es gibt viele Gründe, etwas nicht zu tun. Doch es gibt meist genau einen Grund, etwas zu wagen und an diesem Grund, sollten wir uns alle festhalten.

Thailand und die Hitze

Als wir unsere Liste mit den Ländern, die wir unbedingt bereisen wollen, aufstellten, standen wir vor der Frage, ob Südostasien überhaupt für mich machbar ist. In Thailand bzw. auch Indonesien, was ebenfalls ein Ziel von uns in Südostasien ist, liegen die Temperaturen selten unter 30°C. Somit für viele ein großes Ausschlusskriterium, gerade im Bezug auf die MS-Erkrankung. Uhthoff ist hier das Stichwort.

Was bedeutet Uhthoff eigentlich?

Das Uhthoff-Phänomen bezeichnet die vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome der multiplen Sklerose oder anderer demyelinisierender Erkrankungen durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (z.B. bei Fieber, heißen Bädern, sportlicher Anstrengung oder in der Sauna). Durch die Temperaturerhöhung verschlechtert sich vermutlich vorübergehend die Leitfähigkeit der demyelinisierten Axone. Es handelt sich bei der reversiblen neurologischen Symptomverschlechterung also um einen "Pseudoschub", da die Symptome durch physikalische Phänomene, nicht durch eine entzündliche Aktivität (MS-Schub) ausgelöst werden.

Quelle : https://flexikon.doccheck.com/de/Uhthoff-Ph%C3%A4nomen#:~:text=Das%20Uhthoff%2DPh%C3%A4nomen%20bezeichnet%20die,Anstrengung%20oder%20in%20der%20Sauna).

Wir standen erstmal vor einem großen Rätsel und dachten zunächst, dass Südostasien ein Traum bleiben wird, den wir uns gern erfüllen würden, es jedoch nicht möglich ist. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht so lang suchen, bis da eine Lösung da ist. 

An Thailand und Uhthoff Lösungen erklärt

Ich versuche es an einem Beispiel zu erklären, was wir mit Lösungen meinen und das lässt sich mit Thailand einfach sehr gut machen. Ich möchte nicht sagen, dass jemand, der nicht so an ein Problem ran geht, pessimistisch ist oder falsch handelt, jedoch sollte man viel öfter einfach mal nach Lösung B und C suchen bzw. sich nicht mit anderen vergleichen, bevor man gleich sagt, dass etwas nicht möglich ist.

Ich persönlich habe bei starker Hitze das Problem, das mein Kreislauf sehr stark durcheinander gerät und auch meine chronische Fatigue nochmals verstärkt auftritt. Ich also sehr energielos bin, mich so gut wie gar nicht konzentrieren kann, mich eine Müdigkeit übermannt, die wie ein bleierner Umhang auf mir lastet.
Hier war schnell klar, dass Thailand eigentlich nicht möglich ist, da auch nachts die Temperaturen nicht unter 28°C fallen. Man also der Hitze nicht entfliehen kann und mein körperlicher Zustand sich innerhalb von nur Tagen immens verschlechtern könnte, sodass wir den Besuch des Lanes unmöglich genießen können. Eher eine Abreise schnell zum Thema wird.

Wir einigten uns, dass wir versuchen Lösungen zu finden und wenn diese nicht zu finden wären, wir guten Gewissens diesen Traum an den Nagel hängen. Denn “Wir hätten es dann wenigstens versucht, statt es gleich aufzugeben”

Die Frage war, ob es wirklich so kompliziert ist, wie es erstmal klingt

Wir diskutierten ein paar Tage, eh wir merkten, dass die Sache eigentlich gar nicht so kompliziert ist. “Ich darf einfach nur nicht aufheizen” war die Divise und schon hatten wir für Thailand ein paar Regeln aufgestellt

  • jede unserer Unterkünfte muss einen Pool haben
  • keine Unterkunft ohne Klimaanlage
  • eine Kühlweste besorgen

Denn wenn ich gar nicht in die Situation komme, dass der Körper zu heiß wird, kann Uhthoff auch nicht zuschlagen. In der eigenen Unterkunft kann man hier super vorbeugen und für Unterwegs gibt es mittlerweile super Lösungen in Form von Kühlkleidung. Und hier war für uns die Lösung, die auch gar nicht so kompliziert war.

Ich bin zwar krank, aber für mich gibt es Wege

Außenstehende, egal ob mit oder ohne Erkrankung, reagieren oftmals etwas überrascht, wenn wir von unseren Reisen erzählen. Vorallem jedoch wenn es sich um Länder handelt, die extremes Klima haben, oder die Anreise dorthin aufwendiger ist. Wenn es um Länder geht, die besondere Kulturen aufweisen, oder bei denen man vermutet, dass das Gesundheitssystem nicht das Beste ist. 

Nach meiner MS Diagnose gab es für mich nichts schlimmeres, als das Gefühl, dass ich jetzt eventuell bestimmte Dinge nicht mehr tun kann. Das mir jemand etwas verbietet oder gar der Körper einfach einen Strich durch die Rechnung macht. 

Ich hab mich hier in einem Loch wieder gefunden. Ich denke, dass viele mit der selben Erkrankung oder einer anderen dieses Loch kennen. Doch ich habe für mich einen Weg dort heraus gefunden. Denn die Frage ist doch: Ist es wirklich so, dass ich bestimmte Dinge nicht mehr kann? Oder kann ich sie vielleicht nur nicht mehr so wie früher und muss sie jetzt einfach nur anpassen? Sollte ich vielleicht einfach aufhören zu denken, dass ich alles so machen kann, wie “jeder” und nach Lösungen suchen?

….und die viel wichtigere Frage: Wer möchte schon so sein, wie jeder andere? Also kommt, sucht nach euren Lösungen!

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